Das Fußballspiel läuft in die Schlussphase, der Marathon ist fast geschafft oder nach einer langen Wanderung fehlt nur noch der letzte Anstieg und plötzlich zieht sich die Wade schmerzhaft zusammen. Jede Bewegung wird zur Qual und an ein Weitermachen ist zunächst nicht zu denken. Muskelkrämpfe gehören zu den häufigsten Beschwerden während oder unmittelbar nach körperlicher Belastung. Fast jede:r Sportler:in hat sie schon einmal erlebt. Doch warum entstehen sie überhaupt? Liegt es tatsächlich am Magnesiummangel? Hilft eine Banane vor dem Training oder steckt etwas ganz anderes dahinter?
Muskelkrämpfe treten sowohl bei sportlich aktiven als auch bei inaktiven Menschen auf. Kommt es während oder kurz nach einer körperlichen Belastung zu einem plötzlich auftretenden, schmerzhaften und unwillkürlichen Muskelkrampf, spricht man von einem belastungsassoziierten Muskelkrampf (Exercise-Associated Muscle Cramp, EAMC). Im Fokus dieses Beitrags stehen ausschließlich diese trainings- bzw. belastungsassoziierten Muskelkrämpfe.
Belastungsassoziierte Muskelkrämpfe können grundsätzlich in jeder Sportart auftreten, besonders häufig werden sie jedoch in Ausdauer- und Mannschaftssportarten beobachtet. Studien berichten Prävalenzen von 18–70 Prozent bei Marathonläufer:innen und Radfahrer:innen, von 30–53 Prozent bei American-Football-Spieler:innen sowie von bis zu 67 Prozent bei Triathlet:innen. Die große Spannweite erklärt sich unter anderem dadurch, dass verschiedene Studien unterschiedliche Definitionen und Erhebungsmethoden verwenden [1].
Für Physiotherapeut:innen stellt sich daher im Praxisalltag regelmäßig die Frage, wie belastungsassoziierte Muskelkrämpfe entstehen, welche Maßnahmen wissenschaftlich belegt sind und welche weit verbreiteten Empfehlungen, wie Magnesium oder Bananen, eher auf Mythen als auf Evidenz beruhen. Ziel dieses Beitrags ist es, die aktuellen Erklärungsmodelle zur Entstehung von EAMC sowie evidenzbasierte Präventions- und Behandlungsstrategien darzustellen.
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