Sport und Bewegung seien gefährlich für Menschen mit Multipler Sklerose (MmMS) und könnten sogar Schübe auslösen?! Dieses Bild prägte über Jahrzehnte hinweg die medizinische Sichtweise. Betroffenen wurde häufig geraten, körperliche Anstrengung eher zu vermeiden als gezielt zu fördern. Zu dieser Zeit klang Bewegung bei Multipler Sklerose (MS) für viele wie ein Risiko: bloß nicht überhitzen, bloß keinen Schub provozieren, bloß keine Energie verschwenden. Heute wissen wir jedoch, dass genau diese Vorsicht ihren Preis haben kann. Denn Bewegungsmangel geht häufig mit Einschränkungen von Mobilität, Selbstständigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe einher [1].
Gleichzeitig zeigt sich in Studien seit einigen Jahren ein bemerkenswerter Wandel: Körperliche Aktivität wird zunehmend nicht mehr als potenzielles Risiko betrachtet, sondern als wichtiger Bestandteil eines modernen MS-Managements. Dennoch bleibt die Frage offen, wie Bewegung und Training sinnvoll eingesetzt werden können, wenn Symptome wie Fatigue, Spastik oder Gangstörungen den Alltag ohnehin bereits erschweren [2], [3].
An diesem Punkt kommen Physiotherapie und Sportwissenschaft ins Spiel. Denn die Herausforderung besteht nicht darin, MmMS einfach zu mehr Bewegung aufzufordern. Entscheidend ist vielmehr, wie körperliche Aktivität individuell angepasst, langfristig umgesetzt und gezielt für patient:innen-orientierte Ziele genutzt werden kann.
Welche Rolle Bewegung und Training bei MS tatsächlich spielen, welche Symptome besonders von einer aktiven Therapie profitieren können und was die aktuelle Evidenz in der Praxis bedeutet, betrachten wir in diesem Beitrag genauer.
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