Wissenschaftliche Referenz: E. Van Der Scheer-Horst u. a., „Limited health literacy in primary care physiotherapy: Does a physiotherapist use techniques to improve communication?“, Patient Educ. Couns., Bd. 109, S. 107624, Apr. 2023, doi: 10.1016/j.pec.2023.107624 [1].
„Haben Sie alles verstanden?“ klingt nach einer einfachen Frage – und ist in der Physiotherapie oft ein unsicherer Prüfstein. Gerade in Erstaufnhmen entscheiden verständliche Erklärungen, ob Patient:innen ihre Beschwerden einordnen, Übungsanleitungen korrekt umsetzen und Selbstmanagement überhaupt entwickeln können. Doch Gesundheitskompetenz ist nicht sichtbar: Viele Patient:innen verbergen Unsicherheit, Scham oder Verständnisprobleme, während Fachbegriffe, Zeitdruck und routinierte Gesprächsmuster die Lücke zwischen Gesagtem und Verstandenem vergrößern können.
Der Artikel ordnet eine Mixed-Methods-Studie zur Kommunikation in der physiotherapeutischen Primärversorgung ein und zeigt, warum Teach-back mehr als eine nette Gesprächstechnik ist. Im Zentrum steht die Frage, wie konsequent Physiotherapeut:innen empfohlene Strategien wie Verständnisüberprüfung, das Erklären medizinischer Fachsprache oder das Zusammenfassen von Patient:innenerzählungen tatsächlich einsetzen. Dabei entsteht ein differenziertes Bild: zwischen wissenschaftlichen Empfehlungen, realer Versorgungspraxis und den emotionalen Barrieren von Patient:innen mit eingeschränkter Gesundheitskompetenz. Das Review macht neugierig darauf, Kommunikation als klinisch relevante Intervention zu betrachten – und lädt dazu ein, das eigene Erklären, Nachfragen und Absichern von Verständnis kritisch zu reflektieren.