Wissenschaftliche Referenz: J. S. Gandløse, A. S. Andersen, M. Sloth Nørgaard, T. S. Palsson, und S. W. McPhee Christensen, „Barriers and facilitators to adherence with home-based exercise in persistent spinal pain - A nested qualitative study“, Musculoskelet. Sci. Pract., Bd. 82, S. 103529, Apr. 2026, doi: 10.1016/j.msksp.2026.103529 [1].
Heimübungsprogramme scheitern selten an der Übung selbst – oft scheitern sie an dem System, in das wir sie hineinverordnen. Gerade bei persistierenden Rückenschmerzen wissen wir, wie zentral Bewegung, Selbstmanagement und aktive Strategien für den Therapieverlauf sind. Trotzdem bleibt die Umsetzung im Alltag für viele Patient:innen brüchig: Schmerzunsicherheit, Zeitdruck, fehlende Rückmeldung, geringe Verbindlichkeit und unrealistische Erwartungen können selbst gut geplante Programme ausbremsen.
Das Review richtet den Blick deshalb nicht nur auf Trainingsinhalte, sondern auf die Bedingungen, unter denen Adhärenz überhaupt entstehen kann. Besonders relevant für Physiotherapeut:innen ist die Patient:innenperspektive: Sie zeigt, warum Motivation kein stabiles Persönlichkeitsmerkmal ist, sondern stark durch Kontext, Kommunikation und therapeutische Begleitung geprägt wird. Damit entsteht eine wichtige Brücke zwischen evidenzbasierter Bewegungstherapie, biopsychosozialem Denken und praktischer Verhaltensänderung.
Der Artikel ordnet qualitative Befunde zu Barrieren und Förderfaktoren ein und macht deutlich, warum standardisierte Heimübungsprogramme oft zu kurz greifen. Welche Rolle spielen Erwartungsmanagement, soziale Einbindung, Schmerzverständnis und Mitbestimmung? Und wie wird aus einem Übungszettel ein realistischer Bestandteil des Alltags?