J. Wagemans, B. Dingenen, und B. Tassignon, „Return-to-sport following lateral ankle sprain: Connecting scientific frameworks and real-world protocols of elite sports teams“, Phys. Ther. Sport, Bd. 78, S. 101899, März 2026, doi: 10.1016/j.ptsp.2026.101899 [1].
Schmerzfreiheit ist nach einer lateralen Sprunggelenksdistorsion oft der bequemste, aber nicht der belastbarste Maßstab für den Return-to-Sport (RTS). Gerade in Sportarten mit schnellen Richtungswechseln, Sprüngen, Landungen und unvorhersehbaren Reaktionen entsteht die eigentliche Herausforderung nicht im ruhigen Behandlungsraum, sondern dort, wo Belastung, Ermüdung, Tempo und Entscheidungsdruck zusammentreffen. Für Physiotherapeut:innen wird damit eine zentrale Frage klinisch relevant: Wie lässt sich Sportbereitschaft beurteilen, wenn klassische Tests nur einzelne Ausschnitte wie Beweglichkeit, Kraft, Balance oder Hop-Leistung erfassen?
Das Review ordnet aktuelle RTS-Frameworks wie PAASS, Ankle-Go und StARRT in den Kontext realer Protokolle aus Elite-Sportteams ein und macht sichtbar, wo wissenschaftliche Konzepte und praktische Umsetzung auseinanderlaufen. Dabei rückt nicht nur die Auswahl einzelner Assessments in den Fokus, sondern auch deren Rolle innerhalb einer phasenbasierten, sportartspezifischen Belastungsprogression. Besonders interessant wird die Analyse dort, wo Faktoren wie psychologische Bereitschaft, Propriozeption, vollständige Trainingsintegration und On-Field-Rehabilitation den Blick über den klassischen Abschlusstest hinaus erweitern. Der Artikel zeigt RTS nach Sprunggelenksdistorsion nicht als finales Ja oder Nein zu verstehen, sondern als klinisch begründeten Prozess zwischen Gewebekapazität, Athletik und realer Sportanforderung.