Wissenschaftliche Referenz: Albright AS, Chow AK, Kiristis NR, Cuthbert AS, Smith MS, Satalich JR, Cyrus JW, Goodloe JB. Return to Sport Following Elbow Dislocation: A Systematic Review. Orthop J Sports Med. 2026 Mar 30;14(3):23259671261419505. doi: 10.1177/23259671261419505. PMID: 41929994; PMCID: PMC13039588 [1].
Die Rückkehr in den Sport nach Ellenbogenluxation wirkt auf den ersten Blick oft schneller und klarer, als sie klinisch tatsächlich zu entscheiden ist. Gerade weil viele Athlet:innen funktionell gut recovern, entsteht in der Praxis leicht die Versuchung, Return-to-Sport primär über Zeitfenster zu denken. Doch zwischen Gelenkstabilität, Beweglichkeit, Belastbarkeit, Verletzungsschwere und sportartspezifischen Anforderungen liegt ein deutlich komplexerer Entscheidungsraum.
Das Review ordnet die aktuelle Evidenz zu Ellenbogenluxationen im Sport ein und zeigt, warum einfache Vergleiche zwischen konservativer und operativer Versorgung mit Vorsicht zu lesen sind. Besonders relevant für Physiotherapeut:innen ist dabei die Spannung zwischen scheinbar günstigen Rückkehrverläufen und methodischen Grenzen der Studienlage: unterschiedliche Sportarten, heterogene Leistungsniveaus, uneinheitliche RTS-Definitionen und ein deutlicher Einfluss der Verletzungsschwere auf die Therapieentscheidung.
Der Artikel zeigt deutlich, weshalb „Return to Sport“ nicht automatisch „Return to Performance“ bedeutet und warum starre Zeitangaben in der Reha zu kurz greifen. Stattdessen rückt eine differenzierte, kriterienbasierte Perspektive in den Vordergrund: Wie stabil ist der Ellenbogen? Wie belastbar sind die Strukturen? Welche Anforderungen stellt die jeweilige Sportart? Und wie lässt sich eine positive Prognose vermitteln, ohne falsche Sicherheit zu erzeugen? Ein Review für alle, die RTS nach Ellenbogenluxation nicht nur optimistisch, sondern klinisch sauber begleiten wollen.