Ashwagandha gilt laut Werbeversprechen in sozialen Medien und auf diversen anderen Kanälen als neues Wundermittel, das so vielseitig wirken soll, dass sich damit fast alles im Körper optimieren lässt: Stressreduktion, Angstminderung, mehr Muskelaufbau, eine bessere Regeneration und sogar eine gesteigerte Libido. Doch was bleibt übrig, wenn man den angepriesenen Hype einmal außen vor lässt?
Ashwagandha, auch Withania somnifera genannt, wird seit Jahrhunderten im Ayurveda, der traditionellen indischen Medizin, für verschiedene Zwecke eingesetzt. Die Wurzeln gelten als der wichtigste Teil der Pflanze, da sie reich an bioaktiven Substanzen sind, insbesondere an Withanoliden. Aber auch Withaferin A und steroidale Alkaloide sind enthalten, wobei diese teilweise verstärkt in anderen Pflanzenteilen wie Stängeln und Blättern vorkommen. Wie wir später im Artikel sehen werden, können sich diese Unterschiede in der Zusammensetzung und im Nutzen der einzelnen Wirkstoffe auch in unterschiedlichen Wirkungen äußern.
Die Ashwagandha-Wurzel wurde in der traditionellen Medizin unter anderem zur Behandlung von Bronchitis, Dyspepsie, Impotenz, Skabies und Geschwüren sowie zur Einleitung von Abtreibungen verwendet. In der ayurvedischen Medizin kommen die Wurzeln in mehr als 200 verschiedenen Zubereitungen zum Einsatz. Ihnen werden lebensverlängernde, verjüngende und beruhigende Eigenschaften zugeschrieben. Auch ihre vielversprechende anregende Wirkung wird zur Förderung der Lernfähigkeit und des Gedächtnisses sowie bei geriatrischen Beschwerden genutzt [1], [2].
Was anhand der aktuellen Datenlage deutlich wird: Die Nachfrage nach Ashwagandha nimmt zu. Als Nahrungsergänzungsmittel gewinnt es stark an Marktbedeutung. Diese Entwicklung wird unter anderem durch die steigende Nachfrage nach natürlichen Mitteln zur Stressbewältigung, Schlafverbesserung und Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens angetrieben. Der globale Markt soll von 2025 auf 2026 voraussichtlich um mehr als zehn Prozent auf etwa 915 Millionen US-Dollar wachsen [3].
Im Zuge des wachsenden Marktes für Nahrungsergänzungsmittel gewinnt Ashwagandha auch in Deutschland zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung. Für den deutschen Markt für Ashwagandha-Extrakte wird bis zum Jahr 2030 ein deutliches Wachstum prognostiziert. Bereits 2022 stellten Kapseln und Tabletten mit einem Marktvolumen von 24,45 Millionen US-Dollar die bedeutendste Darreichungsform dar. Auch für das Jahr 2030 wird erwartet, dass dieses Segment den Markt weiterhin dominiert, gefolgt von pulverförmigen Produkten. Gleichzeitig soll der Marktwert sonstiger Darreichungsformen bis 2030 auf 21,02 Millionen US-Dollar ansteigen. Insgesamt verdeutlicht diese Entwicklung die zunehmende Verbreitung und Vermarktung von Ashwagandha-Präparaten in Deutschland. Insbesondere standardisierte und einfach anzuwendende Darreichungsformen wie Kapseln und Tabletten dürften dabei eine zentrale Rolle für das weitere Marktwachstum spielen [3].
Ashwagandha-Produkte werden in unterschiedlichen Formen vermarktet, am häufigsten jedoch als Tabletten oder Kapseln. Extrakte aus Wurzeln und Blättern werden für verschiedene Zwecke eingesetzt, darunter rheumatische Schmerzen, Gelenkentzündungen, kognitive Störungen, Angst- und Stressstörungen, männliche Unfruchtbarkeit sowie die Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit [4–10].
Ob und inwieweit für diese Einsatzgebiete tatsächlich Wirksamkeitsnachweise vorliegen, werden wir im weiteren Verlauf des Artikels analysieren. Denn neben irreführenden und unzulässigen Werbeversprechen ist auch die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Produkte nicht immer gewährleistet. So warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung bereits 2024 davor, dass Ashwagandha-Nahrungsergänzungsmittel gesundheitliche Risiken bergen können. Insbesondere Kinder, Schwangere und Stillende sowie Personen mit Lebererkrankungen sollten auf die Einnahme verzichten. Und um es gleich vorwegzunehmen: Die Verantwortung für die Sicherheit der Produkte liegt grundsätzlich bei den Herstellern, da es keine spezifischen gesetzlichen Vorgaben hinsichtlich der verwendeten Pflanzenteile oder Extrakte, der Dosierung und der Verbraucherhinweise gibt [3].