04.05.2026
Blogartikel
Training
Wenn man im Gym jemanden mit rundem Rücken heben oder die Knie beim Squat leicht nach innen fallen sieht, entsteht oft sofort eine Bewertung „Das ist doch gefährlich!“ Ich selbst hätte früher ähnlich reagiert. In der Ausbildung, in Rückenschulen oder Fortbildungen wurde mir beigebracht, dass Sicherheit gleichzusetzen sei mit „neutraler Wirbelsäule“ und „sauberer Beinachse“. Technik war das A und O, jede Abweichung ein Risiko. Doch wer in der Praxis arbeitet, merkt schnell, dass diese klare Schwarz Weiß Logik so nicht funktioniert. Ich sehe täglich Menschen, die seit Jahren mit vermeintlich „falscher“ Technik trainieren, ohne Beschwerden. Gleichzeitig kommen Patient*innen, die trotz vermeintlich perfekter Haltung chronische Schmerzen entwickelt haben. Was also ist wirklich ausschlaggebend? Die Diskussion um Technik ist nicht neu. Schon in den 1980ern begann man, Bewegungen biomechanisch zu analysieren, um Verletzungen zu vermeiden [1].
Damals prägten Laboruntersuchungen an isolierten Wirbelsäulen das Bild, dass eine Beugung automatisch zu Bandscheibenschäden führen müsse. Diese Sichtweise hielt sich über Jahrzehnte, weil sie intuitiv logisch klingt: Wenn Belastung ungleichmäßig verteilt ist, muss etwas kaputtgehen. Doch die moderne Forschung zeigt ein anderes Bild. Bewegungen sind keine statischen Abläufe, sondern variable Strategien, um Belastung effizient zu verteilen. „Perfekt“ gibt es nicht. Es gibt nur angepasst. Und Anpassung ist genau das, worauf unser Körper spezialisiert ist. Die Frage ist also nicht: „Wie vermeide ich Abweichung?“ Sondern: Wie kann ich Bewegung so gestalten, dass der Körper sich daran anpasst, statt sie zu fürchten?