Laufen ist so populär wie selten zuvor – doch genau in dieser alltäglichen Sportart begegnet uns eine der hartnäckigsten Überlastungsproblematiken des Unterschenkels [1]–[4]. Das sogenannte „Schienbeinkantensyndrom“ klingt für viele Läufer:innen zunächst nach einem lästigen, aber überschaubaren Belastungsschmerz. In der physiotherapeutischen Praxis zeigt sich jedoch schnell, dass MTSS Athlet:innen über Wochen aus dem Training nehmen kann und die Rückkehr zum Laufen deutlich mehr klinische Präzision verlangt als nur „erstmal pausieren“ [5], [6].
Für Physiotherapeut:innen wird das Thema besonders relevant, weil hinter medialem Tibiakantenschmerz nicht nur eine lokale Schmerzbeschreibung steht, sondern ein komplexes Zusammenspiel aus Belastungssteuerung, Gewebetoleranz, Diagnostik, Risikofaktoren und Erwartungsmanagement. Der Blog nimmt das vertraute Beschwerdebild zum Anlass, die gewohnte Begrifflichkeit kritisch zu hinterfragen: Beschreiben wir mit MTSS wirklich das, was klinisch passiert – oder brauchen wir mit LIMP eine Sprache, die Belastung, Schmerzort und Unsicherheit der Pathophysiologie klarer abbildet? Zwischen aktueller Evidenz, biomechanischen Hypothesen und praktischer Therapieentscheidung entsteht ein Perspektivwechsel, der hilft, Schienbeinschmerz bei Läufer:innen differenzierter zu denken – ohne vorschnell einfache Ursachen oder Standardlösungen anzunehmen.