Chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und psychische Störungen zählen weltweit zu den wichtigsten gesundheitlichen Belastungen und gehen häufig mit funktionellen Einschränkungen sowie einer verringerten Lebensqualität einher [1]. Ein zentraler Risikofaktor für ihre Entstehung und Progression ist Bewegungsmangel. Körperliches Training wirkt hier auf zwei Ebenen gleichzeitig: Präventiv, indem es Krankheitsrisiken senkt, und therapeutisch, indem es nachweislich Einfluss auf Stoffwechsel, Herzfunktion und psychische Gesundheit nimmt [1].
Genau diese Patient:innen begegnen dir in der Praxis täglich - sei es die ältere Person nach TAVI (Transkatheter-Aortenklappenimplantation - ein minimalinvasiver Herzklappenersatz), der Patient mit instabilem Blutzucker oder ein Jugendlicher mit depressiver Symptomatik. Für viele dieser Gruppen kann Training wie ein gezielt dosiertes therapeutisches Mittel wirken.
Die internationale Initiative „Exercise is Medicine“ fordert daher, Bewegung als festen Bestandteil medizinischer Versorgung zu verankern und nicht als freiwillige Zusatzempfehlung zu behandeln [1].
Praxisbeispiel:
Frau M., 78 Jahre alt, kommt sechs Wochen nach einer TAVI (Transkatheter-Aortenklappenimplantation)-Intervention zur Physiotherapie. Sie berichtet, dass sie bereits nach wenigen Stufen Treppensteigen erschöpft ist und sich unsicher fühlt. Statt „sich zu schonen“, beginnt sie mit einem individuell angepassten, moderaten Trainingsprogramm. Bereits nach vier Wochen kann sie ihre Enkel wieder selbstständig vom Kindergarten abholen. Dieses Beispiel zeigt, welches Potenzial in gezielt dosierter Bewegung steckt.