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24.05.2026
Blogartikel
Rehabilitation
Knie
Sprunggelenk/Fuß

Airex-Kissen & Bosu-Bälle – Spielzeug oder kann das weg?

Wer in den letzten Jahren durch eine Physiotherapiepraxis gelaufen ist, wird zwangsläufig irgendwann auf ein Airex-Kissen treten. Nicht freiwillig, sondern weil es zu einem fast ritualisierten Bestandteil moderner Therapie geworden ist. Es liegt neben der Behandlungsliege, wartet darauf, in irgendeiner Form „die Propriozeption zu verbessern“, und wird erstaunlich oft reflexartig eingesetzt. Ein verspannter Büroarbeiter mit Rückenbeschwerden? Einbeinstand auf dem Kissen. Eine Sportlerin nach Kreuzbandriss? Stabilisationsübungen auf dem Kissen. Eine Seniorin mit Sturzangst? Auch sie balanciert früh oder spät auf Schaumstoff. Das Tool ist überall, unabhängig vom Beschwerdebild und genau das macht es so interessant.

Instabile Unterlagen erzeugen sofort sichtbare Effekte. Patient:innen merken, dass etwas „passiert“, weil sie ins Wanken geraten. Therapeut:innen sehen eine Herausforderung und haben das Gefühl, dem Körper „etwas abverlangen“ zu können. Viele verbinden Instabilität mit „tiefer Muskulatur“, „Stabilität“ und „Propriozeption“, ohne diese Begriffe präzise zu definieren. Gleichzeitig wurde in vielen Ausbildungen über Jahrzehnte vermittelt, dass instabile Unterlagen der heilige Gral zur Gelenkstabilisierung seien. So entstand ein Tool, das sich tief in den therapeutischen Alltag eingeschrieben hat, dessen Überlegenheit gegenüber gut geplantem Training auf stabilem Untergrund jedoch selten belegt ist und das meist nur einen begrenzten additiven Effekt zeigt [1].

Genau das ist der Ausgangspunkt für diesen Artikel. Er soll nicht den Eindruck erzeugen, dass instabile Unterlagen nutzlos wären, denn sie haben ihren Platz. Aber dieser Platz ist deutlich kleiner, spezifischer und eingeschränkter, als die gängige Praxis vermuten lässt. Und wenn wir uns als moderne Physiotherapie verstehen, sollten wir endlich damit aufhören, Tools einzusetzen, weil sie „schwierig aussehen“ oder „irgendwie sinnvoll wirken“. Stattdessen sollten wir sie einsetzen, weil sie das tun, was sie tun sollen.

Deshalb beleuchtet dieser Artikel, was Balance, Propriozeption und Stabilität eigentlich sind, was instabile Unterlagen mechanisch und sensorisch bewirken, welche Rolle sie in verschiedenen klinischen Kontexten wie Sprunggelenksverletzungen, ACL-Rehabilitation oder Sturzprävention tatsächlich spielen und warum sie in vielen Fällen überbewertet sind.

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