Wissenschaftliche Referenz: L. A. Rossi u. a., „Relationship of the SIRSI Score to Return to Sports After Surgical Stabilization of Glenohumeral Instability“, Am. J. Sports Med., Bd. 50, Nr. 12, S. 3318–3325, Okt. 2022, doi: 10.1177/03635465221118369 [1].
Die Schulter kann objektiv stabil wirken – und sich für Sportler:innen trotzdem noch nicht bereit anfühlen. Genau hier beginnt eine der anspruchsvollsten Fragen im Return-to-Sport-Prozess nach Schulterinstabilität: Reichen schmerzfreie Beweglichkeit, Kraft und funktionelle Tests aus, um die Rückkehr in Training und Wettkampf verantwortungsvoll zu begleiten?
Nach Bankart- oder Latarjet-Operationen treffen Physiotherapeut:innen häufig Entscheidungen in einem Spannungsfeld aus Gewebeheilung, Belastbarkeit, sportartspezifischer Anforderung und der oft schwer greifbaren Sorge vor erneuter Instabilität. Gerade bei einer Verletzung, die Vertrauen in Überkopfbewegungen, Körperkontakt oder explosive Armaktionen erschüttern kann, wird psychologische Bereitschaft zu einem klinisch relevanten Faktor – nicht als „weiches Zusatzthema“, sondern als Teil einer fundierten RTS-Entscheidung.
Dieser Artikel ordnet den Shoulder Instability–Return to Sport after Injury Score, kurz SIRSI, wissenschaftlich und praxisnah ein. Er zeigt, warum ein schulterbezogener Fragebogen mehr leisten kann als ein allgemeines Bauchgefühl im Reha-Alltag, wo seine Aussagekraft besonders interessant wird und welche Grenzen bei der Interpretation wichtig bleiben. Gleichzeitig öffnet er den Blick dafür, wie psychologische Faktoren, klinische Kriterien und sportliche Zielsetzung sinnvoll zusammenspielen können, wenn Patient:innen nicht nur zurückkehren, sondern ihrer Schulter wieder vertrauen sollen.